Einen eigenen Friseursalon eröffnen ist für viele Friseurinnen und Friseure der logische nächste Schritt nach Jahren im Angestelltenverhältnis. Du bestimmst Konzept, Preise und Team selbst. Gleichzeitig ist der Start kapitalintensiv: Ladenlokal, Umbau, Waschplätze, Stühle und ein erster Warenbestand müssen finanziert werden, bevor der erste Kunde bezahlt.
Dieser Ratgeber führt Dich durch die wichtigsten Schritte. Du erfährst, welche fachlichen Voraussetzungen gelten, mit welchen Kosten Du rechnen solltest und wie Du die Ausstattung so planst, dass Abläufe im Salon später reibungslos funktionieren.
Voraussetzungen: Wer darf einen Friseursalon eröffnen?
Das Friseurhandwerk ist in Deutschland ein zulassungspflichtiges Handwerk. Es steht in Anlage A der Handwerksordnung. Um einen Salon selbstständig zu führen, musst Du in die Handwerksrolle Deiner Handwerkskammer eingetragen sein.
Dafür gibt es mehrere Wege:
- Meisterprüfung: Der klassische Weg. Mit dem Meisterbrief erfüllst Du die Voraussetzung direkt.
- Altgesellenregelung: Nach mindestens sechs Jahren Berufserfahrung als Geselle, davon vier in leitender Position, kannst Du eine Ausnahmebewilligung beantragen.
- Gleichwertige Abschlüsse: Bestimmte Ingenieur- oder ausländische Abschlüsse werden anerkannt.
- Betriebsleiter einstellen: Du kannst den Salon auch ohne eigenen Meister führen, wenn Du eine Person mit Meistertitel als Betriebsleitung beschäftigst.
Kläre die Eintragung frühzeitig mit Deiner Handwerkskammer. Erst danach meldest Du das Gewerbe an und bekommst eine Steuernummer. Einen Überblick über alle Schritte der Gründung findest Du in unserem Beitrag Selbstständig machen.

Standort und Konzept festlegen
Bevor Du Mietverträge unterschreibst oder Möbel bestellst, solltest Du Dein Konzept klar haben. Willst Du einen schnellen Walk-in-Salon in einer Einkaufsstraße, ein Premium-Studio mit Terminbuchung oder einen Barbershop? Davon hängen Lage, Größe und Ausstattung ab.
Worauf Du beim Ladenlokal achten solltest
- Sichtbarkeit und Laufkundschaft in der Umgebung
- Wasser- und Abwasseranschlüsse an der richtigen Stelle, sonst wird der Umbau teuer
- Elektrik: Föhne, Trockenhauben und Heißwassergeräte brauchen ausreichend Leistung
- Parkplätze oder gute Anbindung an den Nahverkehr
- Konkurrenz im direkten Umfeld und deren Preisniveau
Lass Dir vor der Unterschrift bestätigen, dass die Nutzung als Friseursalon baurechtlich zulässig ist. Gerade bei ehemaligen Büro- oder Wohnflächen ist eine Nutzungsänderung nötig, die Zeit und Geld kostet.
Was kostet es, einen Friseursalon zu eröffnen?
Die Kosten unterscheiden sich stark je nach Größe, Standort und Anspruch. Ein kleiner Salon mit drei bis vier Plätzen ist mit einem mittleren fünfstelligen Betrag machbar. Ein großer Salon in Top-Lage kann schnell deutlich sechsstellig werden. Rechne mit folgenden Blöcken:
- Kaution und erste Mieten für das Ladenlokal
- Umbau und Installation: Wasser, Strom, Licht, Boden, Wandgestaltung
- Einrichtung: Bedienplätze, Stühle, Waschanlagen, Empfang, Wartebereich
- Geräte und Werkzeug: Föhne, Glätteisen, Scheren, Sterilisation
- Erstausstattung Ware: Farben, Pflegeprodukte, Verkaufsware
- Kassensystem und Software für Termine und Abrechnung
- Marketing zum Start: Schild, Website, Eröffnungsaktion
- Liquiditätsreserve für mindestens drei bis sechs Monate
Viele Gründer unterschätzen den letzten Punkt. In den ersten Monaten ist der Terminkalender selten voll, die Fixkosten laufen aber vom ersten Tag an. Prüfe auch Förderkredite der KfW und regionale Gründungszuschüsse. Das Existenzgründungsportal des Bundes bietet dafür eine Förderdatenbank und Checklisten.
Ausstattung planen: Die wichtigsten Bereiche im Salon
Ein durchdachter Grundriss spart Dir später jeden Tag Zeit. Kundinnen und Kunden durchlaufen im Salon meist dieselben Stationen: Empfang, Beratung, Waschen, Schneiden und Färben, Kasse. Plane die Wege so kurz wie möglich.
Empfang und Wartebereich
Der Empfangsbereich ist die Visitenkarte Deines Salons. Hier entsteht der erste Eindruck, hier wird bezahlt und hier verkaufst Du Pflegeprodukte. Ein klar gestalteter Tresen, ein gut sichtbares Warenregal und ein paar bequeme Sitzplätze reichen völlig aus.
Bedienplätze
Pro Bedienplatz brauchst Du einen höhenverstellbaren Stuhl, einen Spiegel, eine Ablage und Steckdosen in Griffweite. Achte auf ausreichend Abstand zwischen den Plätzen, damit Du Dich frei bewegen kannst und Kunden nicht dicht an dicht sitzen.
Waschplatz
Der Waschplatz entscheidet stark über den Komfort. Kunden verbringen dort nur wenige Minuten, nehmen ihn aber sehr bewusst wahr. Ein unbequemes Becken oder kaltes Wasser bleibt in Erinnerung. Gleichzeitig ist der Waschplatz ein Arbeitsplatz, der Deinen Rücken jeden Tag beansprucht.
- Ergonomie: Neigbare Becken und verstellbare Liegen entlasten Nacken und Rücken.
- Material: Keramikbecken sind langlebig und leicht zu reinigen.
- Anzahl: Als Faustregel genügt ein Waschplatz für drei bis vier Bedienplätze.
- Technik: Ausreichend Heißwasserleistung, damit auch zur Stoßzeit warmes Wasser fließt.
Wer gezielt einen Friseur Waschbecken kaufen möchte, sollte sich vorher die Maße des Raums und die Lage der Anschlüsse notieren. Fachhändler beraten zu Komplettlösungen aus Becken und Liege, die als Einheit geliefert werden.

Farb- und Lagerbereich
Farben, Oxidanten und Chemikalien brauchen einen eigenen, gut belüfteten Bereich. Hier mischst Du Rezepturen, lagerst Ware und reinigst Werkzeuge. Ein Waschbecken nur für diesen Zweck und gut beschriftete Regale sparen Zeit und verhindern Fehler.
Hygiene und Arbeitsschutz
Friseure arbeiten täglich mit Wasser, Chemikalien und engem Körperkontakt. Das bringt Pflichten mit sich. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, kurz BGW, ist für das Friseurhandwerk zuständig und bietet umfangreiche Informationen zu Hautschutz und Hygiene.
- Hautschutzplan für Dich und Dein Team
- Handschuhe beim Färben und Waschen
- Desinfektion von Werkzeugen nach jedem Kunden
- Gute Belüftung im Farbbereich
Preise kalkulieren und Kunden gewinnen
Deine Preise müssen alle Kosten decken: Miete, Personal, Ware, Versicherungen, Rücklagen und Deinen eigenen Unternehmerlohn. Rechne aus, wie viel Umsatz Du pro Stunde und Bedienplatz erzielen musst. Viele Gründerinnen setzen ihre Preise anfangs zu niedrig an und kommen später kaum noch davon weg.
Für die Kundengewinnung sind ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, Online-Terminbuchung und aktive Social-Media-Kanäle heute Pflicht. Tipps dazu findest Du in unserem Ratgeber zur perfekten Instagram-Bio und zu WhatsApp-Marketing.
Businessplan und Finanzierung
Ohne Businessplan bekommst Du weder einen Bankkredit noch Fördermittel. Er hilft Dir aber vor allem selbst, die eigene Idee kritisch zu prüfen. Ein guter Plan für einen Friseursalon beantwortet drei Fragen: Wer sind Deine Kunden, was zahlen sie und wie viele davon brauchst Du, um profitabel zu arbeiten?
Diese Inhalte gehören in den Plan
- Gründerprofil: Ausbildung, Berufserfahrung, Spezialisierungen wie Colorationen oder Hochsteckfrisuren
- Standortanalyse: Einwohner, Kaufkraft, Wettbewerber und deren Preise
- Angebot und Preisliste: Leistungen, Dauer pro Leistung und Preis
- Umsatzplanung: realistische Auslastung in den ersten drei Jahren
- Kostenplanung: Investitionen, laufende Kosten und Personalkosten
- Liquiditätsplan: Monat für Monat, mindestens für das erste Jahr
Rechne vorsichtig. Eine Auslastung von 50 bis 60 Prozent im ersten Jahr ist für einen neuen Salon schon ein gutes Ergebnis. Wenn sich Dein Plan nur bei Vollauslastung rechnet, solltest Du Konzept oder Kosten noch einmal anpassen.
Rechtsform und Versicherungen
Die meisten Friseurinnen und Friseure starten als Einzelunternehmen. Das ist einfach, günstig und schnell gegründet. Du haftest allerdings mit Deinem Privatvermögen. Planst Du einen größeren Salon mit mehreren Angestellten und hohen Investitionen, kann eine haftungsbeschränkte Rechtsform sinnvoll sein. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber zur Gründung einer UG.
Unabhängig von der Rechtsform brauchst Du einige Versicherungen:
- Betriebshaftpflicht: für Schäden an Kunden, etwa durch allergische Reaktionen oder Verletzungen
- Inhaltsversicherung: für Einrichtung, Geräte und Ware bei Feuer, Wasser oder Einbruch
- Betriebsunterbrechung: sichert laufende Kosten, wenn der Salon nach einem Schaden schließen muss
- Berufsunfähigkeit und Krankentagegeld für Dich selbst als Inhaberin oder Inhaber
Personal finden und halten
Fachkräfte sind im Friseurhandwerk knapp. Wenn Du einen Salon mit Angestellten planst, solltest Du früh überlegen, wie Du Dich als Arbeitgeber attraktiv machst. Faire Bezahlung ist die Basis, aber nicht alles.
- Planbare Arbeitszeiten und verlässliche Dienstpläne
- Weiterbildung in neuen Techniken und Trends
- Umsatzbeteiligung oder Provision auf Verkaufsware
- Gutes Arbeitsklima und Wertschätzung im Alltag
Wie Du ein kleines Team gut führst, beschreibt unser Beitrag über Mitarbeiterführung auf Augenhöhe. Für Aushilfen am Wochenende kann auch ein Minijob eine passende Lösung sein.
Checkliste: Friseursalon eröffnen in 10 Schritten
- Konzept und Zielgruppe festlegen
- Eintragung in die Handwerksrolle klären
- Businessplan und Finanzierung erstellen
- Ladenlokal suchen und Nutzung prüfen
- Grundriss und Ausstattung planen
- Umbau beauftragen und Ware bestellen
- Gewerbe anmelden und Steuernummer beantragen
- Versicherungen abschließen, Berufsgenossenschaft anmelden
- Kasse, Terminsoftware und Rechnungsprogramm einrichten
- Eröffnung vorbereiten und bewerben
Die ersten 100 Tage nach der Eröffnung
Die Eröffnung ist nicht das Ziel, sondern der Startschuss. In den ersten Wochen entscheidet sich, ob aus Neugierigen Stammkunden werden. Nutze diese Phase bewusst, um Abläufe zu testen und schnell nachzubessern.
- Feedback einholen: Frag Kundinnen und Kunden direkt, was ihnen gefallen hat und was nicht.
- Bewertungen sammeln: Bitte zufriedene Gäste aktiv um eine Google-Bewertung. Sie ist für neue Salons Gold wert.
- Kennzahlen beobachten: Auslastung pro Tag, durchschnittlicher Bon, Anteil Verkaufsware, Wiederkehrquote.
- Folgetermin anbieten: Wer direkt beim Bezahlen den nächsten Termin bucht, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder.
- Kosten prüfen: Gleiche Deinen Liquiditätsplan monatlich mit den echten Zahlen ab.
Plane in dieser Zeit auch bewusst Ruhephasen für Dich ein. Viele Gründerinnen stehen in den ersten Monaten sechs Tage die Woche im Salon und erledigen abends noch die Buchhaltung. Das hält niemand dauerhaft durch. Ein realistischer Wochenplan schützt Dich und Deinen Betrieb.
Häufige Fragen zum Friseursalon eröffnen
Brauche ich einen Meistertitel, um einen Friseursalon zu eröffnen?
Nicht zwingend selbst. Du brauchst eine Eintragung in die Handwerksrolle. Das gelingt mit Meisterbrief, über die Altgesellenregelung oder indem Du einen Meister als Betriebsleiter einstellst.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für einen Friseursalon?
Banken erwarten in der Regel einen Eigenanteil von etwa 10 bis 20 Prozent der Gesamtinvestition. Je höher Dein Eigenkapital, desto besser sind Deine Chancen auf einen Förderkredit.
Wie viele Waschplätze braucht ein Salon?
Als Richtwert reicht ein Waschplatz für drei bis vier Bedienplätze. Bietest Du viele Farbbehandlungen an, solltest Du eher einen zusätzlichen Waschplatz einplanen.
Wie lange dauert es, bis ein neuer Salon profitabel ist?
Das hängt von Lage, Konzept und Kundenstamm ab. Viele Salons brauchen ein bis zwei Jahre, bis sich ein stabiler Kundenstamm aufgebaut hat. Eine solide Liquiditätsreserve ist deshalb entscheidend.
