Der Traum vom eigenen Business, aber das sichere Gehalt aufgeben? Für viele ist das ein zu großer Schritt. Die Lösung: Du machst Dich zunächst nebenberuflich selbstständig. So testest Du Deine Geschäftsidee, sammelst erste Kunden und verdienst zusätzliches Geld, während Dein Hauptjob Dir finanzielle Sicherheit gibt.

Ein erheblicher Teil der Gründungen in Deutschland startet im Nebenerwerb. In diesem Leitfaden erfährst Du, was Du rechtlich beachten musst, wie Steuern und Versicherungen funktionieren und welche Ideen sich besonders gut für den Start neben dem Job eignen.

Vorteile und Herausforderungen des Nebenerwerbs

Die Gründung im Nebenerwerb hat viele Vorteile:

  • Geringes Risiko: Dein Gehalt deckt die Lebenshaltungskosten.
  • Testphase: Du prüfst, ob Deine Idee am Markt funktioniert.
  • Sozialversicherung: Als Angestellter bleibst Du in der Regel über Deinen Arbeitgeber versichert.
  • Lernkurve: Du sammelst unternehmerische Erfahrung ohne Existenzdruck.
  • Zusatzeinkommen: Auch kleine Einnahmen verbessern Deine finanzielle Situation.

Gleichzeitig gibt es Herausforderungen. Die größte ist die Zeit. Abende und Wochenenden werden zur Arbeitszeit, und die Doppelbelastung kann auf Dauer erschöpfen. Außerdem wächst das Business langsamer, weil Du nur begrenzt Kapazitäten hast.

Nebenberuflich selbstständig: Was sagt der Arbeitgeber?

Grundsätzlich darfst Du in Deiner Freizeit einer Nebentätigkeit nachgehen. Das ergibt sich aus der Berufsfreiheit. Dein Arbeitgeber kann eine Nebentätigkeit aber untersagen, wenn berechtigte Interessen beeinträchtigt werden.

  • Konkurrenz: Du darfst Deinem Arbeitgeber während des Arbeitsverhältnisses keine Konkurrenz machen.
  • Arbeitskraft: Die Nebentätigkeit darf Deine Leistungsfähigkeit im Hauptjob nicht beeinträchtigen.
  • Arbeitszeit: Eine zusätzliche abhängige Beschäftigung zählt zur Arbeitszeit, bei Selbstständigkeit kommt es auf die Gesamtbelastung an.
  • Urlaub und Krankheit: Erholungsurlaub dient der Erholung, und während einer Krankschreibung darfst Du nichts tun, was die Genesung gefährdet.

Prüfe Deinen Arbeitsvertrag. Viele Verträge sehen eine Anzeige- oder Genehmigungspflicht für Nebentätigkeiten vor. Informiere Deinen Arbeitgeber am besten schriftlich und frühzeitig. Das schafft Vertrauen und beugt Konflikten vor. Für Beamte gelten strengere Regeln: Sie brauchen in vielen Fällen eine Genehmigung des Dienstherrn.

Anmeldung: Gewerbe oder freier Beruf?

Auch im Nebenerwerb musst Du Deine Tätigkeit anmelden. Entscheidend ist, ob Du gewerblich oder freiberuflich tätig bist.

  • Gewerbe: Handel, Onlineshops, Handwerk, Dienstleistungen wie Hausmeisterservice. Du meldest Dein Gewerbe beim Gewerbeamt an, das das Finanzamt automatisch informiert.
  • Freier Beruf: Zum Beispiel Journalisten, Texter, Designer, Übersetzer, Dozenten, Berater in bestimmten Bereichen. Du meldest Dich direkt beim Finanzamt an.

In beiden Fällen füllst Du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus, den Du online über ELSTER einreichst. Darin schätzt Du Umsatz und Gewinn und entscheidest Dich, ob Du die Kleinunternehmerregelung nutzen möchtest. Einen Überblick über alle Gründungsschritte bietet unser Ratgeber Selbstständig machen.

Steuern im Nebenerwerb

Deine Gewinne aus der Selbstständigkeit werden zusammen mit Deinem Gehalt versteuert. Das bedeutet: Sie unterliegen Deinem persönlichen Steuersatz, der durch das Gehalt meist bereits relativ hoch ist. Plane deshalb von Anfang an Rücklagen für Steuern ein.

  • Einkommensteuer: Du bist verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Den Gewinn ermittelst Du meist per Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
  • Kleine Nebeneinkünfte: Für Arbeitnehmer bleiben Nebeneinkünfte bis 410 Euro im Jahr steuerfrei, darüber greift bis 820 Euro ein gleitender Härteausgleich.
  • Umsatzsteuer: Mit der Kleinunternehmerregelung verzichtest Du auf die Umsatzsteuer, wenn Dein Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet.
  • Gewerbesteuer: Fällt für Gewerbetreibende erst an, wenn der Gewinn den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt.

Auch im Nebenerwerb brauchst Du ordnungsgemäße Rechnungen. Welche Programme dafür in Frage kommen, zeigt unser Ratgeber Rechnungsprogramm kostenlos.

Planung am Schreibtisch für nebenberuflich selbstständig Gründende
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Kranken- und Rentenversicherung

Als Angestellter bist Du über Deinen Arbeitgeber gesetzlich kranken-, pflege-, renten- und arbeitslosenversichert. Daran ändert eine nebenberufliche Selbstständigkeit grundsätzlich nichts, solange sie tatsächlich nebenberuflich bleibt.

Die Krankenkasse prüft, ob die Selbstständigkeit hauptberuflich ist. Dabei zählen vor allem Zeitaufwand und Einkommen im Vergleich zur Beschäftigung. Wer mehr als 20 Stunden pro Woche angestellt arbeitet und mehr als die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße verdient, gilt in der Regel als hauptberuflich angestellt. Wird die Selbstständigkeit zur Haupteinnahmequelle, ändert sich die Versicherung, und Du zahlst Beiträge auf Deine Gewinne. Informiere Deine Krankenkasse deshalb über die Aufnahme der Selbstständigkeit.

In der Rentenversicherung sind die meisten Selbstständigen nicht pflichtversichert. Ausnahmen gelten unter anderem für Lehrer, Dozenten, Pflegepersonen und Handwerker. Details erläutert die Deutsche Rentenversicherung.

Sonderfälle: Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Studium

Nicht nur Angestellte machen sich nebenbei selbstständig. Für einige Gruppen gelten besondere Regeln:

  • Elternzeit: Während der Elternzeit darfst Du bis zu 32 Wochenstunden im Durchschnitt des Monats arbeiten, auch selbstständig. Für eine Selbstständigkeit brauchst Du die Zustimmung Deines Arbeitgebers. Beim Elterngeld werden Gewinne angerechnet, was den Betrag mindern kann.
  • Arbeitslosengeld: Eine Nebentätigkeit ist erlaubt, solange sie weniger als 15 Stunden pro Woche umfasst. Melde sie der Agentur für Arbeit. Einkommen über einem Freibetrag wird auf das Arbeitslosengeld angerechnet.
  • Studium: Studierende können sich selbstständig machen. Achte auf die Auswirkungen auf BAföG, Familienversicherung und Kindergeld, da hier Einkommensgrenzen gelten.
  • Rente: Wer eine Altersrente bezieht, kann seit 2023 unbegrenzt hinzuverdienen.

In all diesen Fällen lohnt sich eine vorherige Beratung, damit Du keine Leistungen verlierst oder zurückzahlen musst.

Versicherungen und Absicherung

Auch im Nebenerwerb können Fehler teuer werden. Eine Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung schützt Dich, wenn Du bei Kunden einen Schaden verursachst. Für beratende Tätigkeiten kann eine Vermögensschadenhaftpflicht sinnvoll sein. Prüfe außerdem, ob Deine Hausratversicherung beruflich genutzte Geräte abdeckt, wenn Du von zu Hause aus arbeitest. Viele Versicherer bieten günstige Tarife speziell für Gründer im Nebenerwerb an.

Planung und Finanzierung

Auch ein kleines Business braucht einen Plan. Ein schlanker Businessplan hilft Dir, Zielgruppe, Angebot, Preise und Kosten zu durchdenken. Er muss nicht 30 Seiten lang sein. Wichtig ist eine realistische Kalkulation: Was kostet Dich die Selbstständigkeit im Monat, und wie viele Aufträge brauchst Du, um diese Kosten zu decken? Viele Nebenerwerbsgründer finanzieren den Start aus eigenen Ersparnissen. Wenn Du Kapital brauchst, kommen Mikrokredite oder Förderprogramme in Frage. Ideen und Methoden zur Entwicklung Deines Angebots findest Du in unserem Ratgeber Geschäftsidee finden.

Lukrative Ideen für den Nebenerwerb

Nicht jede Geschäftsidee eignet sich für den Nebenerwerb. Ideal sind Tätigkeiten, die sich flexibel einteilen lassen und wenig Startkapital erfordern.

  • Texten und Lektorat: Gefragt bei Unternehmen und Agenturen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Copywriter werden.
  • Grafikdesign und Webdesign: Logos, Flyer, Websites für kleine Unternehmen
  • Nachhilfe und Coaching: online oder vor Ort, auch am Abend möglich
  • Fotografie: Hochzeiten, Events, Produktfotos, Stockfotos
  • Social-Media-Betreuung: für lokale Betriebe ohne eigene Marketingabteilung
  • Handwerkliche Produkte: Verkauf über Onlinemarktplätze oder Märkte
  • Digitale Produkte: Vorlagen, E-Books, Onlinekurse
  • IT-Dienstleistungen: Programmierung, IT-Support, Datenanalyse

Weitere Modelle stellen wir in unserem Ratgeber Online Geld verdienen vor.

Typische Fehler im Nebenerwerb

Viele Gründer im Nebenerwerb stolpern über dieselben Punkte. Wer sie kennt, kann sie vermeiden:

  • Keine Anmeldung: Wer regelmäßig Geld verdient, ohne sich anzumelden, riskiert Steuernachzahlungen und Bußgelder.
  • Keine Rücklagen für Steuern: Durch den hohen Grenzsteuersatz fällt die Nachzahlung oft höher aus als erwartet.
  • Private und geschäftliche Finanzen vermischen: Ein separates Konto erleichtert die Buchhaltung enorm.
  • Zu niedrige Preise: Nur weil Du ein Gehalt hast, musst Du nicht billiger sein als hauptberufliche Anbieter.
  • Arbeitgeber nicht informieren: Ein Verstoß gegen vertragliche Pflichten kann im schlimmsten Fall zur Abmahnung führen.
  • Selbstüberschätzung beim Zeitbudget: Plane lieber weniger Stunden ein und übertriff Deine eigenen Erwartungen.

Zeitmanagement: So schaffst Du beides

Die Doppelbelastung aus Job und Business ist die größte Herausforderung. Diese Strategien helfen:

  • Feste Zeitblöcke: Reserviere bestimmte Abende oder den Samstagvormittag für Dein Business.
  • Prioritäten setzen: Konzentriere Dich auf Aufgaben, die direkt Umsatz bringen.
  • Automatisieren: Nutze Software für Rechnungen, Termine und Buchhaltung.
  • Realistische Ziele: Lieber wenige Kunden zuverlässig bedienen als zu viel versprechen.
  • Pausen einplanen: Erholung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Leistungsfähigkeit.
  • Familie einbinden: Sprich offen über Deine Pläne und vereinbare gemeinsame Zeiten, die tabu bleiben.

Beobachte Deine Belastung ehrlich. Wenn Schlaf, Gesundheit oder Beziehungen dauerhaft leiden, ist das ein Warnsignal. Dann hilft es, Angebote zu verschlanken, Preise zu erhöhen oder Aufgaben abzugeben. Ein nachhaltiges Tempo bringt Dich langfristig weiter als ein kurzer Sprint, der Dich ausbrennt. Plane deshalb auch bewusst freie Wochenenden und echten Urlaub ohne Laptop ein.

Der Wechsel in die Vollzeit-Selbstständigkeit

Irgendwann stellt sich die Frage, ob Du den Sprung wagst. Gute Indikatoren dafür sind:

  • Deine Einnahmen aus der Selbstständigkeit sind über mehrere Monate stabil.
  • Du musst Aufträge ablehnen, weil Dir die Zeit fehlt.
  • Du hast Rücklagen für mindestens sechs Monate.
  • Du kennst Deine Kosten, inklusive Kranken- und Altersvorsorge.

Plane den Übergang sorgfältig und sprich rechtzeitig mit Deiner Krankenkasse sowie einer Steuerberatung. Manche reduzieren zunächst die Stunden im Hauptjob, bevor sie ganz kündigen. Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, kann unter Umständen einen Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit beantragen. Hilfreiche Informationen bietet das Existenzgründerportal des Bundes.

Häufige Fragen zum Thema nebenberuflich selbstständig

Muss ich meinen Arbeitgeber informieren?

Das hängt von Deinem Arbeitsvertrag ab. Viele Verträge sehen eine Anzeige- oder Genehmigungspflicht vor. Eine frühzeitige, schriftliche Information ist in jedem Fall empfehlenswert.

Wie viel darf ich nebenberuflich steuerfrei verdienen?

Als Arbeitnehmer bleiben Nebeneinkünfte bis 410 Euro im Jahr steuerfrei, bis 820 Euro gilt ein Härteausgleich. Darüber werden die Gewinne mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuert.

Brauche ich ein Gewerbe, wenn ich nebenberuflich selbstständig bin?

Bei gewerblichen Tätigkeiten ja. Freiberufler melden sich nur beim Finanzamt an. Die Anmeldung beim Finanzamt ist in jedem Fall Pflicht.

Bleibe ich über meinen Arbeitgeber krankenversichert?

Ja, solange die Selbstständigkeit nebenberuflich bleibt. Wird sie nach Zeitaufwand und Einkommen zur Haupttätigkeit, ändert sich der Versicherungsstatus.

Kann ich als Kleinunternehmer nebenberuflich gründen?

Ja. Die Kleinunternehmerregelung gilt, wenn der Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet.